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05.XI.2008 - Für eine saubere Steinach

Die gewässerökologische Belastung der Steinach ist im wesentlichen durch die städtische Abwasserentsorgung verursacht. Die starke Urbani-sierung führte dazu, daß die natürliche Wassermenge im Bach durch die Versiegelung des Bodens rückläufig wurde und die Steinach bei Trocken-wetter auch deshalb eine geringe Wassermenge natürlichen Ursprungs aufweist.

Erste wesentliche Belastungen der Steinach treten bei stärkeren Regenereignissen beim Regenklärbecken Lukasmüli auf. Im Gebiet der Gemeinde Wittenbach führt das in die Steinach eingeleitete gereinigte Abwasser der Abwasserreinigungsanlage Hofen insbesondere bei Trockenwetter zu einer chronischen Belastung des Bachwassers. Durch die Abwasserbehandlung werden viele Stoffe aus dem Abwasser entfernt oder in andere, weniger Gewässer belastende Stoffe umgewandelt.

Massnahmen zur Verbesserung der Steinach

Ziel des Projekts ist eine nachhaltige und massgebende Verbesserung der Wasserqualität der Steinach zugunsten des Gewässers sowie von Mensch und Umwelt. Geplant ist, das gereinigte Abwasser aus der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Hofen nicht wie bisher über die Steinach in den Bodensee sondern direkt über einen Kanal in den Bodensee einzuleiten. Damit fällt die chronische Belastung der Steinach durch gereinigtes Abwasser vollständig weg.

Wegen der Einleitung von gereinigtem Abwasser aus der ARA Hofen und die Mischwas­serüberläufe aus der Kanalisation der Stadt ist die Steinach ein stark belastetes Gewässer.

Untersuchungen zeigen, dass im Unterlauf der Steinach bei Niedrigwasser bis zu 80 Prozent gereinig­tes Abwasser fliesst. Auch wenn die ARA Hofen eine gute Reinigungsleistung aufweist, ist die Steinach einfach zu wenig wasserreich, um große Abwassermengen aufzunehmen.

Die gesetzlichen Anforderungen an die chemische und physikalische Wasserqualität sind damit im Unterlauf nicht erfüllt. Auch in biologischer Hinsicht ist der Zustand des Flusses deutlich beeinträchtigt.

Bisheriges Engagement der Stadt St.Gallen

Die Stadt St.Gallen hat in den vergangenen Jahrzehnten über CHF 50 Mio. in Maßnahmen zum Schutz der Steinach investiert. Dabei handelt es sich

-       um die Erneuerung der ARA Hofen zur Erfüllung verschärfter Einleitbedingungen (1977-1981; Kosten CHF 22,1 Mio.)

-       den Bau des Steinachstollens und des Regenbeckens Lukasmüli zur Entflechtung von Bach- und Abwasser und zum Auffangen stark verschmutzten Regenwassers (1988-1990; Kosten CHF 26.6 Mio.) und

-       Anpassungen der Hochwasserentlastung Espenmoos zur Reduktion der Entlastun­gen in die Steinach und Zurückhaltung von Grobstoffen (1989-1991; Kosten CHF 7.8 Mio.).

Daneben wurden im Rahmen der Generellen Entwässerungsplanung (GEP) verschiedene Maß­nahmen bereits umgesetzt (Ersatz einer ungenügenden Hochwasserentlastung in die Steinach durch einen Fangkanal im Gebiet Untere Langgasse; Aufhebung von vier Entlastungen in die Steinach und Ausbau der Hochwasserentlastung Mühlegg in St. Georgen; Aufhebung von zwei Entlastungen in den Gerhaldenbach an der Wartenstein-/ Tannenstraße; Ausbau Hochwasserentlastung in den Grütlibach an der Lindenstraße).

Massnahmen bei der ARA Hofen sind angelaufen

Die Abwasserreinigungsanlage Hofen arbeitet gut und erfüllt weitestgehend die gesetzlichen Anforderungen. Dies genügt aber noch nicht. Bis Ende 2009 wird die Reinigungsleistung der ARA Hofen weiter gesteigert. Dadurch verbessert sich die Qualität des gereinigten Abwassers und damit auch diejenige der Steinach. Allerdings bewirken diese Massnahmen allein noch nicht die angestrebte nachhaltige Entlastung der Ökosysteme im Gewässer und entlang des Flußlaufs.

Bau einer neuen Abwasserleitung

Von 2010 bis 2012 soll eine neue Druckleitung von der ARA Hofen zu einem neuen Kleinwasserkraftwerk auf dem Gelände der ARA Morgental erstellt werden. Ab dem Kleinwasserkraftwerk fliesst das gereinigte Abwasser der beiden Kläranlagen im bestehenden Ablaufkanal des Abwasserverbandes Morgental zum Ufer des Bodensees. Von dort bei Trockenwetter in einer zusätzlichen, neuen Seeleitung zu der Einleitstelle in der Tiefe des Sees. Bei Regenwetter wird die grössere Wassermenge auch über die bestehende Seeleitung geführt.

Die geplante neue Seeleitung ist nicht nur länger als die bestehende, sondern führt das gereinigte Abwasser auch in größere Tiefe in den See. So ist die Einmischung des gereinigten Abwassers in den See besser.  

Bau eines neuen, effizienten Kleinwasserkraftwerks zur Energiegewinnung von Oekostrom

Mit der Ableitung des gereinigten Abwassers der ARA Hofen kann die Höhendifferenz genutzt und auf dem Areal der ARA Morgental ein Kleinwasserkraftwerk zur Gewinnung erneuerbarer Energie erstellt werden. Die Menge des produzierbaren Ökostroms entspricht in etwa dem Jahresstromverbrauch von tausend Vier-Personen-Haushalten. Aus dem voraussichtlichen Ertrag können namhafte Beiträge an die Investitionskosten generiert werden.

Die im Abwasser enthaltene Wärme kann zusätzlich in einem Nahwärmeverbund genutzt werden. Wird sie zur Hälfte verwertet, lassen sich damit jährlich rund eine halbe Million Liter Erdöl ersetzen und der Ausstoss entsprechender Mengen an Kohlendioxid kann vermieden werden.

Nachhaltigkeit der Investitionen

Die Nachhaltigkeit der zu tätigenden Investitionen ist ausgewiesen. Neben einer wesentlichen Verbesserung der Wasserqualität der Steinach und der Reinigungsleistung der ARA Hofen ist es späteren Generationen möglich, die beiden ARA Hofen und Morgental zusammen zu legen und eine weitergehende Kostenoptimierung sicherzustellen, denn an die Qualität der Abwasserbehandlung werden zunehmend immer neue und kostenintensive Anforderungen gestellt, die Grossanlagen kompetenter bewältigen können als kleine.

Bessere Rahmenbedingungen für die Trinkwasserversorgungen

Die Steinach ist eines von nahezu 250 Gewässern, die in den Bodensee fliessen. Sie sauber zu halten, heißt auch, dem Bodensee Sorge zu tragen. Ein wichtiges Unterfangen, ist doch der Bodensee das bedeutendste Trinkwasserreservoir der gesamten Ostschweiz und grosser Gebiete Süddeutschlands und Vorarlbergs.

Ein weiter Lebensraum ist darauf angewiesen, daß künftig Trinkwasser aus dem Bodensee jederzeit in einwandfreier Qualität zur Verfügung steht. Dies sicherzustellen hat höchste Priorität - dem trägt auch das Projekt zur Verbesserung der Wasserqualität der Steinach mit der neu geplanten Einleitung Rechnung.

Hochwasserschutz und Renaturierung: Eine Herausforderung für die Gemeinde Steinach

Im Unterlauf der Steinach wird die Verbesserung der Wasserqualität am deutlichsten wahrnehmbar sein. Störende Gerüche und Schaumbildung werden kaum mehr vorhanden sein. Baden im Mündungsbereich der Steinach wird wieder möglich und die Qualität des Wassers in der Steinacherbucht wird sich deutlich verbessern.

Im Unterlauf der Steinach muss die Hochwassersicherheit verbessert werden. In diesem Rahmen sind dann auch die wasserbaulichen Aufwertungen des Gewässers im Sinne der Oekologie zu berücksichtigen. Ziel ist, den heute kanalartig gestalteten Wasserlauf durch Aufwertungsmassnahmen derart zu gestalten, daß vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen sowie Naherholungs- und Erlebnisgebiete für die Bewohnerinnen und Bewohner von Steinach geschaffen werden.

Alle profitieren

Die Stadt St.Gallen, die Gemeinden Steinach und Wittenbach sowie der Abwasserverband Morgental sind als Projektpartner zusammen mit den Fachstellen der Kantone St.Gallen und Thurgau sowie der Pro Natura überzeugt, daß hier ein wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiges Projekt geplant ist, von dem alle Beteiligten profitieren. 

Weitere Informationen

Detailliert informiert ein Flyer über das ganze Projekt und zeigt darin die angestrebten Verbesserungen in der Ableitung des gereinigten Abwassers aus den Abwasserreinigungsanlagen Hofen und Morgental zum Bodensee gegenüber der heutigen Situation auf. Dieser Flyer kann auf den Gemeindekanzleien von Arbon, Steinach, Wittenbach, Berg, dem Abwasserverband Morgental und beim Entsorgungsamt der Stadt St.Gallen angefordert werden. Anfang 2009 ist eigene Internetseite dafür gestaltet: www.unseresteinach.ch. Sie orientiert dann laufend über die Projektfortschritte.

Weitere Auskünfte:

Dr. Hans Peter Tobler, Amtsleiter Entsorgungsamt

Tel. 071 224 55 96

Roland Boller, Abwasserverband Morgental

Tel. 071 447 12 88

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March 19. 2017 01:13:24
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