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Wasserverbrauch

Mit Wasserverbrauch wird umgangssprachlich die für den menschlichen Verbrauch verwendete Wassermenge bezeichnet. Dies umfaßt den unmittelbaren menschlichen Genuß des Trinkwassers ebenso wie den zum alltäglichen Leben (Waschen, Kochen usw.) sowie für die Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie (Betriebswasser) abgegebene Wassermenge.

Mit Wasserzählern werden die Verbrauchszahlen ermittelt, die zu deren Berechnung herangezogen werden.

Verbrauch der Privathaushalte nur 10 %

Der Anteil der Personenhaushalte am Verbrauch beträgt in Deutschland nur knapp 10 % des genutzten Wasserdargebots.

2/3tel des Wassers verbrauchen die Kraftwerke

Allein Elektrizitäts- und Wärmekraftwerke haben einen Anteil von 66 % am deutschen Wasserbrauch.

Wort Wasserverbrauch eigentlich Unsinn

Der Wortsinn -verbrauch legt nahe, daß Wasser verbraucht würde; tatsächlich wird es aber nur im Hinblick auf seine Menge und Qualität geändert; es entsteht ggf. Abwasser, welches im Bedarfsfall über die Kanalisation zur Reinigung in eine Abwasserreinigungsanlage (schweizerdt.) bzw. Kläranlage transportiert wird.

Den Wasserverbrauch zur Erzeugung von Produkten heißt virtuelles Wasser. Weil dabei auch Importprodukte und deren Transport berücksichtigt werden, ist das virtuelle Wasser zu einem bedeutenden Teil auch im Wasserverbrauch von nicht-produzierenden Branchen enthalten.

Das für den Antrieb von Wasserkraftwerken erforderliche Wasser wird teilweise nicht zum Wasserverbrauch gerechnet, ist aber statistisch in den oben genannten Gebrauchsmengen enthalten.

Zahlen zum Wasser-"Verbrauch" in vielen Ländern

Je nach Land wird ein großer Teil des Wassers für die Toilettenspülung verwendet. Industriestaaten "verbrauchen" bzw. verwenden oft 10 mal so viel Wasser wie Entwicklungsländer. Man schätzt, daß z. B. in den USA ca. 40 Prozent des Wasserverbrauchs allein für die Bewässerung von Grünflächen verwendet werden.

Die Aufteilung zwischen Industrie, Landwirtschaft und Haushalte fällt je nach Land unterschiedlich aus. Im europaweiten Schnitt verbraucht die Industrie 52 Prozent, private Haushalte 13 Prozent und die Landwirtschaft 35 Prozent des Wassers. In südlichen Ländern hat die Landwirtschaft einen höheren Wasserverbrauch, so in Griechenland mit 88 Prozent und Spanien mit 72 Prozent.

Zieht man die Bilanz des virtuellen Wassers, erhält man die tatsächlich benötigte Wassermenge unabhängig von Art und Ort der Verwendung. Dann liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland pro Tag bei rund 4.000 Litern Wasser, also dem mehr als 30-fachen.

Entwicklung in Deutschland: Wasserkonsum in den 90er Jahren dramatisch gesunken

In Deutschland verbraucht eine Person im Haushalt durchschnittlich 126 Liter Wasser pro Tag. Dies sind bei einem Vierpersonenhaushalt 504 Liter am Tag. Nach wasserwirtschaftlichen Schätzungen verteilt sich der Wasserverbrauch in Liter pro Kopf und Tag etwa wie folgt:

  • 3 l für Trinken und Kochen
  • 7 l zum Geschirrspülen
  • 7 l zum Putzen
  • 5-15 l für die Körperpflege
  • 20-40 l für Baden und Duschen
  • 30 l zum Wäschewaschen
  • 40 l für die Toilettenspülung

Dazu kommt ggfs. noch ein Wasserverbrauch zur Gartenbewässerung, der einen beträchtlichen Umfang annehmen kann.

Aufgrund Wassersparideologie dramatisch weniger Wasserkonsum

Der Wasserverbrauch pro Kopf ist in Deutschland in den 1990er Jahren deutlich gesunken. Betrug er im Jahr 1990 noch 145 Liter täglich, so lag er 1997 schon unter 130 und nimmt weiter ab auf bis zuletzt 126 Liter je Tag im Jahr 2004.

In bestimmten Gebieten wie z.B. Sachsen lag der Wasserverbrauch im Jahr 2005 bei nur etwa 88 Litern pro Tag und Kopf.

Verbraucherverhalten-Lenkung durch steigende Wasserpreise

Durch steigende Wasserpreise ist ein Anreiz zum Wassersparen entstanden; damit einher geht die Verfügbarkeit wassersparender Technik (wassereffiziente Wasch- und Spülmaschinen, wassersparende Toilettenspülungen und Armaturen). Parallel achten auch Industrie und Gewerbe zunehmend auf effizientere Produktionsmethoden und etablieren teilweise geschlossene Wasserkreisläufe.

In vielen Fällen versucht man auf privater Seite mit dem Bau von Wasserzisternen auf dem eigenen Grundstück den Bezug von Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz zu reduzieren und so Kosten zu sparen.

Die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahmen bedarf allerdings einer rechnerischen Überprüfung, welche in den meisten Fällen nicht gegeben ist. Die Anbieter von Zisternenlösungen werben in den meisten Fällen mit der Einsparung bestimmter Mengen Wasser über einen langen Zeitraum ("Sie sparen 70.000 Liter kostbares Trinkwasser.").

Eine betriebswirtschaftliche Vollkostenrechnung wird von den Anbietern in aller Regel nicht angeboten (auch nicht auf Nachfrage), so daß schlecht informierte Interessenten in gutem Glauben erhebliche Mittel einsetzen, welche auf andere Weise einen größeren Umweltschutzeffekt hätten.

Wasser sparen ökonomisch sinnvoll (Geldeinsparung), ökologisch umstritten

Die Einsparung von Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz in regenreichen Gebieten, wie es überwiegend in den DACH-Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz) der Fall ist, bringt in den meisten Fällen keine Entlastung in Bereichen, in denen Wassermangel herrscht, da der Transport der Überschüsse in der Regel nicht wirtschaftlich wäre.

Wasser sparen = Energie sparen

Einer der Hauptvorteile beim Einsparen von Wasser liegt nicht primär im Einsparen von Wasser an sich, sondern im Einsparen von Energie, sofern Warmwasser eingespart wird.

Je nach örtlicher Situation, Art der Warmwasserbereitung, Temperatur und Durchflußmenge entspräche fließendes Warmwasser dem Einschalten eines elektrischen Verbrauchers mit einer Leistung von bis zu 20 kW.

Warmwasser könne je nach den Umständen bis zu 20 EUR je M³ kosten (inkl. des Aufwands für Frischwasser, Abwasser, Bereitung, Abrechnung).

Wasser sparen = Gefahr für die Umwelt?

Auf der anderen Seite wird argumentiert, ein reduzierter Wasserverbrauch führe zu einer verminderten Wasserförderung, was vielerorts den Grundwasserspiegel deutlich ansteigen ließe. Im Großraum Berlin würden Anstiege des Grundwasserspiegels zwischen einem und drei Metern beobachtet.

Für das Trinkwassersystem selbst bedeute ein Rückgang die Erhöhung von Wartungsaufwendungen, da der notwendige Selbstspülungsvorgang in dem Verteilsystem fehlten. Negative Aspekte des Rückgangs des Wasserverbrauchs zeigten sich deutlich im Abwassersystem.

Steigende Wasserpreise auf Grund gleichbleibender Fixkosten (Kredite für umfangreiche Sanierungen --> z.T. zu groß ausgelegte Anlagen) führten zu sogenannten "Wendeschäden" bei Wasserwerken in den neuen Bundesländern.

Das durch menschliche Nutzung gebrauchte und in seinen Eigenschaften veränderte Trinkwasser wird, zusammen mit menschlichen Ausscheidungen, chemischen und biologischen Stoffen aus der Produktion und der gewerblichen Nutzung, in das Abwassersystem eingeleitet, um es in Abwasserreinigungsanlagen zu reinigen und dann wieder der Natur zuzuführen.

Häufige Folgen verringerter Abwassermengen seien:

  • Probleme beim Transport schwimmfähiger Stoffe durch fehlenden Wasseranteil
  • Verringerung der Fließgeschwindigkeit
  • Bildung von Ablagerungen und Behinderung der Entwässerung
  • Bildung von Sulfiden, Geruchsstoffen und giftigen Gasen im Abwasser
  • Bildung von Schwefelsäure; Grundlage für die biogene Korrosion der Abwasseranlagen
  • Geruchsbelästigung und Gefahr für das Betreiberpersonal durch Bildung von giftigem Schwefelwasserstoff (H2S)

Der Wasserverbrauch sollte somit nur auf einen optimalen Verbrauchswert gesenkt werden, der die ökologischen Auswirkungen des Gesamtsystems der menschlichen Wassernutzung berücksichtigen müsse. Die optimale Verbrauchsmenge müsse für jedes Trink- und Abwassersystem konkret ermittelt werden. Ein Verfehlen dieses Optimums könne zu Kostensteigerungen und zu einer Verschlechterung der Trinkwasserqualität führen.

Wasserverbrauch durch Kraftwerke

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes von 1998 haben fossile und nukleare Kraftwerke in Deutschland einen Anteil von 74 % (27 von 36 Mrd. cbm) an der Gesamtwassernutzung, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit 19 %. In der EU macht ihr Anteil an der Gesamtwassernutzung 40 % aus, vor der Landwirtschaft mit 27 % (EUROSTAT 2000). In den Vereinigten Staaten lagen fossile und nukleare Kraftwerke nach Daten der US Environmental Protection Agency (USEPA 1993) am Anfang der 90er Jahre mit einem Anteil von 39 % an der Gesamtnutzung fast gleichauf mit der Landwirtschaft (40 %).

Wasserwirtschaftliche Probleme des sinkenden Wasserverbrauchs

Lange Zeit herrschte in der Politik und Wasserwirtschaft die Vorstellung eines stetig anwachsenden Wasserverbrauchs. Um 1970, als der Pro-Kopf-Verbrauch bei etwas über 140 Litern lag, wurde für das Jahr 2000 eine Zunahme dieses Werts um gut 50 % auf 220 Liter angenommen. Noch 1993 prognostizierte beispielsweise für Deutschland das Umweltbundesamt einen steigenden Wasserverbrauch. In der Folge wurden vor allem in Ostdeutschland aus heutiger Sicht überdimensionierte Wasserwerke, Rohrleitungsnetze und Entsorgungsanlagen gebaut. Deren hohe Fixkosten bei mangelnder Auslastung führen heute zu überhöhten Wasser- und Abwasserpreisen. Verschärfend kommt die Abwanderung aus vielen Regionen im Osten hinzu, wodurch der Verbrauch weiter sinkt.

Für die Trinkwasserversorgung ist diese Entwicklung problematisch, denn mit geringerer Fließgeschwindigkeit steigt die Verweildauer des Wassers in der Leitung, was die mikrobiologische Qualität beeinträchtigen kann; es kann zu einer Wiederverkeimung des Wassers kommen. Teilweise halten hier die Versorgungsunternehmen sogenannte Sicherheitsbehandlungen mit Chlor zur Desinfektion für erforderlich; diese haben aber auch negative Effekte. Das in den Leitungen stockende Wasser kann zudem zu verstärkter Korrosion der Leitungen führen, wodurch sich das Leitungswasser in ungünstigen Netzsituationen mit Schadstoffen wie Kupfer, Eisen oder Blei anreichern kann.

Weiterhin führt das von der Verbrauchsstelle wegfließende Abwasser zu Problemen in der Kanalisation: Die geringere Menge nachfließenden Wassers verhindert mitunter, dass die über die Kanalisation abgeführten Fäkalien hinreichend schnell das Klärwerk erreichen. Besonders bei warmer Witterung kann es dann zu Faulprozessen kommen, bei denen sich Schwefelwasserstoff bildet. Das führt einerseits zu einer erheblichen Geruchsbelästigung. Andererseits greift der im Wasser gelöste Schwefelwasserstoff beispielsweise in Form von Schwefelsäure die Rohre an.

Die genannten Probleme können derzeit kaum anders bekämpft werden als durch die zusätzliche Einspeisung von Trinkwasser in das Leitungs- und Kanalnetz, um die Fließmenge künstlich zu erhöhen. Ein Rückbau vorhandener überdimensionierter Rohre scheidet fast immer aus Wirtschaftlichkeitsgründen aus, da die Rohre meist tief im Erdboden verlegt sind und zudem eine erwartete Lebensdauer von bis zu 100 Jahren aufweisen. Teilweise ist es bei Abwassernetzen möglich, den Rohrquerschnitt zu verkleinern. Daneben wird über einen Rückbau (z.B. semizentrale Aufbereitung des Wassers) nachgedacht. Entsprechende Modellprojekte werden derzeit beispielsweise in Pforzheim realisiert.

Probleme in den neuen Bundesländern

In Ostdeutschland ist der Wasserverbrauch seit den 1990er Jahren besonders dramatisch gesunken. Das Zusammentreffen der genannten Faktoren (schlagartige Verfügbarkeit wassersparender Technologien, zunehmendes Umweltbewusstsein) führte dazu, dass zwischen 1990 und 2004 der tägliche Wasserverbrauch pro Kopf von 142 auf 93 Liter gesunken ist[6].

In Rostock ist der Trinkwasserverbrauch von Haushalten und Industrie in diesem Zeitraum auf nur noch ein Viertel des ursprünglichen Werts gesunken. Die Verweildauer des Wassers in den Leitungen erhöht sich damit auf das Dreifache.

Verweise


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March 19. 2017 01:13:24
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